Quiet Luxury - Travel, Living & Style

April 27, 2026

Hermès auf der Milano Design Week - Raum & Handwerkskunst


Hermès verwandelt La Pelota in eine weisse Stadt - eine Installation über Raum und Handwerkskunst. 

Unter dem Leitmotiv «The Material Speaks, The Object Tells A Story» wählen die künstlerischen Direktoren Charlotte Macaux Perelman und Alexis Fabry einen Weg, der reduziert. Anstatt den Raum zu füllen, baut die Installation auf Wiederholung auf und nutzt modulare Elemente, um ein Layout zu schaffen, welches durchdacht und präzise wirkt. Die Idee der „Leere“ spielt auch dieses Jahr eine zentrale Rolle. Sie wird nicht als Abwesenheit behandelt, sondern als Teil des Designs selbst, was den Objekten und Materialien Raum zum Atmen lässt. 2025 schwebten die Elemente, dieses Mal sind modularen Element geerdet. Eine weisse, lichte Landschaft, die trägt statt schwebt. 


Die Besucherinnen und Besucher schlendern hindurch, entdecken, verweilen. 
Die Struktur entfaltet sich wie eine Sequenz und lenkt die Bewegung durch Kontraste in Textur und Form. In diesem Rahmen kommt die Handwerkskunst auf eine andere Art zum Ausdruck - mehr durch den Prozess und nicht durch Überfluss entsteht.

Früher sprach der Raum. Heute sprechen die Objekte. Hermès hat die Lautstärke verlagert und nicht reduziert.

Die Sprache des Pferdes

Wer die Kollektion 2026 betrachtet, liest darin eine Geschichte. Es ist die Geschichte eines Hauses, das 1837 als Sattlerei gegründet wurde und seinen Ursprung nie verleugnet hat. Jedes Stück trägt dieses Erbe in sich, manchmal offensichtlich, manchmal so subtil, dass man zweimal hinschauen muss.

Das eindrücklichste Stück dieser Kollektion ist der Stadium d'Hermès-Tisch von Barber & Osgerby, eine Tischplatte aus Carrara-Venato-Marmor mit Einlagen in Verde Alpi, die in der Vogelperspektive wie eine Rennbahn wirkt oder wie ein Springparcours von oben betrachtet. Die schlanken Tischbeine sind mit dem zweifarbigen «Jumping»-Motiv des Hauses versehen. Es ist das gleichen Streifenmuster, das man von den Stangen im Springreiten kennt. Dieser Tisch ist eine präzise Hommage in Marmor gemeisselt, mit dem Savoir-faire eines Hauses. 


Ähnliches gilt für die 
Palladion d'Hermès-Vase und den dazugehörigen Krug, entworfen vom hauseigenen Studio - hammerschlagveredeltes, palladiumplattiertes Metall, kombiniert mit Chamkila-Ziegenleder in Peitschenstich-Technik und, das entscheidende Detail. Es gibt ein Band aus echtem Pferdehaar, welches die Form am unteren Ende umschliesst wie der gepflegte Fesselbereich eines Pferdes. 

Tisch · Barber & OsgerbyStadium d'HermèsCarrara-Venato-Marmor mit Verde-Alpi-Einlagen — die Tischplatte als Springparcours, die Beine im «Jumping»-Streifenmotiv der Reithürde
Vase & Krug · Hermès StudioPalladion d'HermèsPalladiumplattiertes Metall, Chamkila-Ziegenleder in Peitschenstich — mit Pferdehaaren wie ein gepflegter Pferdefuss
Decke · Hermès AtelierCashmere-PlaidHandgewebtes Cashmere, satt in Farbe — mit Gurtband-Muster, Samtleder-Troddeln und einem dezenten Resist-Färbe-«H»
Hermès StudioFrom object to space

Milano Design Week 2026
Wird Wohnen farbiger?

Die Cashmere-Plaids dieser Kollektion sind nicht beige. Sie sind nicht «quiet». Sie sind satt, warm, farbig und werfen eine Frage auf, die weit über Hermès hinausgeht. Sind wir bereit, wieder mehr Farbe in unsere Häuser zu lassen?

Einiges deutet darauf hin. Der «Quiet Luxury»-Trend, der die Inneneinrichtung der Jahre 2023 bis 2025 dominierte dazu gehörten cremefarbene Wände, zurückhaltende Töne, makellose Neutralität gibt langsam Raum für etwas Wärmeres, Persönlicheres. Designerinnen und Designer sprechen von «lived-in luxury». Es sind Räume, die nicht wie Showrooms aussehen, sondern wie ein Leben, das darin stattgefunden hat. Farbe kehrt zurück nicht als Provokation, sondern als Ausdruck.

Wohntrend 2026 — Was Experten beobachten

Der strenge Minimalismus der 2010er-Jahre tritt weiter zurück. An seine Stelle tritt ein bewussterer, wärmerer Ansatz - geschichtete Räume, handwerkliche Details, erdigere Farbtöne und zunehmend die Bereitschaft, Persönlichkeit zu zeigen. Designerinnen sprechen von «thoughtful maximalism» nicht Unordnung, sondern Tiefe. Nicht Trend, sondern Geschichte. Vintage-Stücke, satte Textilien, kräftigere Akzentfarben und das Zuhause wird wieder zum Ausdruck seiner Bewohnerinnen und Bewohner, nicht zum neutralen Hintergrund.

Material is Graphic

Die Boîte Piano d'Hermès eine Schatulle aus Mahagoni und Ahorn, welche mit rechteckigen Lederfeldern aus Ziegen- und Kalbsleder belegt ist, erinnert in ihrer Anordnung exakt an Klaviertasten. Es sind weisse und schwarze Felder, präzise gesetzt, rhythmisch wie eine Partitur und dazwischen leuchtet ein sattes Orange, daneben ein warmes Ocker, dann wieder Schwarz. Die Schatulle ist kein dekoratives Beiwerk, sondern ein grafisches Statement. Farbe, Textur, Kontrast und Muster vereint in einem einzigen Objekt, das mit den Händen der Handwerker entstanden ist.

Hermès lässt die Kollektion deutlicher sprechen. Die Installation tritt zurück, damit das Objekt nach vorne treten kann. Vielleicht ist es gerade die Botschaft, welche wir 2026 erfahren, weg vom makellosen Showroom. Hin zum Zuhause, welches man wirklich bewohnt, mit Charakter und Geschichte plus auch mit Farbe.

Home & Art Instagram: Hermès Milano Design Week 2026 - Link

Zur Installation

Hermès «Collections for the Home» 2026 wurde vom 21. bis 26. April 2026 in La Pelota, Via Palermo 10, Mailand präsentiert. Künstlerische Leitung: Charlotte Macaux Perelman und Alexis Fabry.  


Fotos: Pressestelle Hermès Paris / 2. Bild Home & Art

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