Kunstmarkt 2026 - Nach zwei ruhigen Jahren kehrt der globale Kunstmarkt auf Wachstumskurs zurück, und zwar mit überraschenden Gewinnern, einem starken Frankreich und einer Schweiz, die leise glänzt.
Es war ein Jahr der leisen Wende. Während geopolitische Spannungen die Schlagzeilen dominierten, hat sich der globale Kunstmarkt 2025 beharrlich erholt – mit einem neuen Selbstbewusstsein im Hochpreissegment, lebhaften Auktionssälen und einer Messelandschaft, die wieder an Strahlkraft gewinnt.
Der Art Basel and UBS Global Art Market Report 2026, verfasst von der Kulturökonomin Clare McAndrew von Arts Economics, zeichnet das Bild eines Marktes in Bewegung. Global wuchs der Umsatz um 4 Prozent auf rund 59,6 Milliarden US-Dollar. Klingt bescheiden, ist es nach zwei Jahren rückläufiger Zahlen aber alles andere als das. Für Sammlerinnen und Sammler, Galeristinnen und all jene, die Kunst als Teil ihres Lebens begreifen, signalisiert diese Entwicklung: die Leidenschaft fürs Kaufen und Zeigen ist ungebrochen.
Die grossen Drei
New York, London, Peking und die Überraschungen
Die USA, das Vereinigte Königreich und China machen gemeinsam drei Viertel des weltweiten Kunstmarktes aus. New York bleibt das Epizentrum. Alle zehn teuersten Werke des Jahres 2025 wurden dort versteigert. Der amerikanische Markt legte um 5 Prozent zu, und im Ultra-Hochpreissegment (Werke über 10 Millionen Dollar) stiegen die Umsätze sogar um 30 Prozent. Grosse Sammlungsauktionen, darunter die Leonard A. Lauder Collection und die Cindy and Jay Pritzker Collection, sorgten für Glanzmomente im Herbst.
London hielt sich stabil, und auch der chinesische Markt bewies trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten Resilienz. Besonders interessant ist, während der internationale Standort Hongkong 2025 unter globalem Druck litt, zog der Festlandmarkt an.
Der Überraschungssieger des Jahres. Paris wächst mit starken Auktionsergebnissen und einem blühenden Galeriesektor – und übertrifft damit erstmals sein Vorkrisenniveau von 2019.
Ein bemerkenswertes Jahr für den Schweizer Kunstmarkt. Diskret, aber deutlich – das Plus von 13 Prozent gehört zu den stärksten Zuwächsen in Europa.
Der einzige grosse europäische Markt mit deutlichem Minus. Die wirtschaftliche Schwäche hinterlässt auch in den Galerien und Auktionshäusern ihre Spuren.
Wien überrascht mit demselben Wachstum wie Zürich. Der deutschsprachige Raum zeigt: Stärke und Schwäche liegen manchmal nur eine Landesgrenze auseinander.
Europäische Perspektive
Paris glänzt, Berlin grübelt
Frankreich ist die grosse europäische Erfolgsgeschichte des Jahres 2025. Mit einem Wachstum von 9 Prozent und Umsätzen von 4,5 Milliarden Dollar hat sich Paris als lebendiges Zentrum des europäischen Kunsthandels etabliert. Was Paris antreibt? Eine Mischung aus starken Auktionshäusern, einer aufstrebenden Galerienszene und dem klaren Bewusstsein, dass kulturelle Identität und wirtschaftliche Dynamik sich gegenseitig verstärken.
Die Schweiz zeigt eindrücklich, was kleinteilige, qualitätsorientierte Märkte leisten können: 13 Prozent Wachstum, in einer Zeit, in der viele Märkte stagnieren oder schrumpfen. Die Konzentration auf hochwertige Werke und eine diskrete, aber loyale Sammlerschaft macht den Unterschied.
Schwerer hat es Deutschland. Ein Minus von 10 Prozent spiegelt die gesamtwirtschaftliche Stimmungslage wider mit Kaufzurückhaltung, Industriekrise, politische Unsicherheit. Der Kunstmarkt ist kein Spiegel des Aktienmarktes, aber er ist auch nicht immun gegen das Klima eines Landes.
Der Kunstmarkt verzeichnete 2025 eine Richtungsänderung nach den Rückgängen der vergangenen Jahre hin zu einem moderaten Wachstum.
Clare McAndrew, Gründerin Arts EconomicsMessen & Auktionen
Das Erlebnis ist zurück
Wer geglaubt hatte, der Kunsthandel würde sich dauerhaft ins Digitale verlagern, wurde 2025 eines Besseren belehrt. Online-Verkäufe gingen auf 9,2 Milliarden Dollar zurück, es war der niedrigsten Wert seit 2019. Die Menschen wollen Kunst sehen, fühlen, erleben. Sie wollen sprechen, stehen, staunen.
Kunstmessen verzeichneten einen deutlichen Aufschwung. Ihr Anteil am Gesamtumsatz der Galerien stieg auf 35 Prozent, es war der höchsten Wert seit 2022. Das Wachstum kam sowohl von internationalen als auch von lokalen Messen. Ein Zeichen, dass das Messeerlebnis auf allen Ebenen wieder an Bedeutung gewinnt.
Die Auktionshäuser erlebten ein starkes Jahr. Der Gesamtumsatz bei öffentlichen Auktionen stieg um 9 Prozent. Im Segment der Millionenwerke wuchs der Gesamtwert um 21 Prozent. Impressionismus und Post-Impressionismus, lange als etwas angestaubt abgetan, erlebten mit einem Plus von 47 Prozent eine spektakuläre Renaissance.
Für Privatsammler
Bild oder Skulptur – lohnt sich der Einstieg?
Die grosse Frage: Ist Kunst als Anlage auch für Nicht-Millionäre interessant? Die ehrliche Antwort ist differenziert und hängt massgeblich davon ab, was man unter «investieren» versteht.
Kunst ist kein Tagesgeldkonto. Sie wirft keine Dividende ab, lässt sich nicht auf Knopfdruck verkaufen und ihre Wertentwicklung ist schwer vorherzusagen. Der Kunstmarkt belohnt Kennerschaft, Geduld und Netzwerk. Dinge, die sich nicht einfach kaufen lassen. Trotzdem, für Menschen, die Kunst lieben und über einen langen Anlagehorizont nachdenken, kann das Sammeln durchaus Sinn ergeben.
🖼 Das Gemälde
Gemälde sind der klassische Einstieg ins Sammeln. Sie lassen sich gut präsentieren, sind transportierbar und existieren in einem breiten Preissegment. Im unteren und mittleren Bereich ist die Auswahl gross, was auch bedeutet, dass der Wiederverkauf mehr Expertise erfordert. Wer gezielt auf aufstrebende Positionen setzt und bereit ist, langfristig zu denken, kann hier Entdeckergeist und wirtschaftlichen Instinkt verbinden.
🗿 Die Skulptur
Skulpturen sind seltener, sperriger und oft beständiger im Wert. Sie beanspruchen Raum, schaffen aber auch eine Präsenz, die kein Gemälde erreicht. Editionen, also limitierte Auflagen namhafter Bildhauer, bieten einen etwas planbareren Einstieg. Der Markt für Skulptur ist enger, was sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Für Sammlerinnen und Sammler mit einem Sinn für das Dreidimensionale und etwas mehr Budget eine faszinierende Option.
Das Fazit: Wer Kunst primär als Geldanlage betrachtet, ist bei Aktien oder Immobilien besser aufgehoben. Wer aber Kunst kauft, weil sie ihn berührt, begeistert oder fordert und dabei mit Kopf und Herz vorgeht, der investiert in etwas, das keine andere Assetklasse bieten kann, und zwar tägliche Freude am eigenen Besitz.
Alle Zahlen und Fakten in diesem Beitrag basieren ausschliesslich auf dem Art Basel and UBS Global Art Market Report 2026, verfasst von Dr. Clare McAndrew / Arts Economics, veröffentlicht am 12.März 2026.