Denn Versailles ist mehr als sein Schloss. Die Stadt besitzt elegante kleine Strassen, hübsche Cafés und Boutiquen, Kunst und einen der schönsten Märkte der Region. Wer zwei oder drei Tage bleibt, entdeckt ein anderes Versailles - französischer, ruhiger und entspannt. Und wenn man doch mal nach Paris möchte? Ist die Stadt mit dem Zug in rund 40 Minuten erreichbar.
Hôtel Les Lumières Versailles
Liegt direkt neben dem Château und ermöglicht schon früh durch die Gärten zu spazieren, bevor die grossen Besucherströme aus aller Welt eintreffen.
Das im Oktober 2024 eröffnete Fünf-Sterne-Hotel gehört zur französischen Collection 2L und ist Mitglied von Relais & Châteaux. Neu ist allerdings nur das Hotelkonzept. Seine Mauern erzählen eine wesentlich längere Geschichte. Les Lumières befindet sich in zwei historischen Hôtels particuliers: dem Pavillon de Gramont aus dem 17. Jahrhundert und dem Pavillon de Villacerf aus dem 19. Jahrhundert. Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz - zuvor befand sich hier das Hôtel de France.
Versailles, neu interpretiert
Drei Jahre dauerte die Verwandlung der historischen Gebäude. Für das Interior zeichnet Didier Benderli verantwortlich, Gründer des Pariser Studios Kerylos Intérieurs. Seine Handschrift folgt dabei einem Prinzip, das gerade an diesem Ort entscheidend ist. Keine Rekonstruktion höfischer Opulenz, kein dekoratives Spiel mit Louis-XIV-Klischees. Stattdessen nimmt Benderli die Geschichte des Ortes als Ausgangspunkt und übersetzt sie in die Gegenwart.
Die Referenzen sind subtil. Point-de-Hongrie-Parkett, feine Wandprofile und Marmor erinnern an die klassische französische Architektur, während Samt, zeitgenössisches Mobiliar und eine überraschend sanfte Palette aus Blau, Grün, Beige und pudrigen Nuancen den Räumen ihre Leichtigkeit geben. In einigen Zimmern tauchen selbst die berühmten Gärten von Versailles wieder auf. Vergangenheit wird hier nicht inszeniert, sondern zitiert.
Besonders gelungen ist das Spiel mit den bestehenden historischen Elementen. Die denkmalgeschützte Fassade und die grosse Treppe von 1907 wurden bewahrt und treffen heute auf Räume, die wesentlich ruhiger wirken, als man es nur wenige Schritte vom Château erwarten würde. Benderli arbeitet mit Kontrasten, ohne sie auszustellen. Alt neben Neu, Ornament neben klaren Linien, kräftiger Marmor neben weichen Textilien.
Wer bei einem Hotel gegenüber dem Château viel Gold, schwere Stoffe und eine Neuinterpretation höfischer Opulenz erwartet, wird überrascht. Fischgrätparkett im klassischen Point-de-Hongrie-Stil, Wandprofile und feine historische Referenzen treffen auf eine ruhige Farbwelt aus Blau, Grün, Beige und pudrigen Nuancen. Samt bringt Wärme, klare Linien wiederum eine gewisse Modernität. Das Ergebnis wirkt französisch, ohne nostalgisch zu werden.
Gerade diese Balance macht den Stil interessant. Les Lumières versucht nicht, ein zweites Versailles zu sein. Das Hotel lässt die Vergangenheit vielmehr anklingen, damit Architektur und Design auch im 21. Jahrhundert funktionieren. Selbst der Duft erzählt Geschichte. Die olfaktorische Signatur stammt von Trudon, jener traditionsreichen französischen Manufaktur, deren Kerzen einst auch Versailles erhellten.
Der Name Les Lumières ist dabei Programm. Das Haus erinnert an das Zeitalter der Aufklärung und an jene Menschen, deren Ideen Wissenschaft, Literatur, Philosophie und Gesellschaft veränderten.
Zimmer & Suiten - Les Lumières Versailles
Die 31 Zimmer und Suiten tragen deshalb Namen wie Lavoisier, Beaumarchais, Rousseau, Condorcet, Descartes, Voltaire oder Bougainville. Kleine Bücher und Porträts erzählen von den Persönlichkeiten hinter den Namen. Eine schöne Idee, denn Geschichte wird hier nicht zur Kulisse, sondern begleitet den Aufenthalt ganz selbstverständlich.
Unser Zimmer: Henri Thiry d’Holbach
- Während unseres Aufenthalts wohnten wir im Zimmer Henri Thiry d’Holbach, benannt nach dem deutsch-französischen Philosophen und Enzyklopädisten Baron d’Holbach. Eine besonders passende Wahl für ein Haus, das dem Zeitalter der Aufklärung gewidmet ist. Sein Pariser Salon gehörte im 18. Jahrhundert zu den bedeutenden Treffpunkten der Intellektuellen seiner Zeit.
Von Philosophen und französischen Spirituosen
Im Erdgeschoss führt der Weg durch den Wintergarten zunächst in die Bibliothek. Bücher gehören hier nicht zur dekorativen Staffage, sondern setzen die Idee des Hauses fort.
Ebenfalls im Erdgeschoss befindet sich die Bar des Philosophes. Auch hier steckt hinter einem zunächst kleinen Detail eine gute Geschichte. Die Getränke stammen zu 100 Prozent aus Frankreich, auf der Karte wird sogar angegeben, wie viele Kilometer zwischen ihrem Produktionsort und dem Hotel liegen. Es ist eine charmante Art, französisches Terroir zeitgemäss zu interpretieren.
La Restaurant - Gemüse übernimmt die Hauptrolle
In La Table des Lumières wird das Konzept kulinarisch weitergeführt. Küchenchef Erwan Le Thomas, Compagnon du Devoir und zuvor unter anderem im Peninsula, Crillon und Mandarin Oriental tätig, dreht dabei die klassische Rollenverteilung auf dem Teller um.
Gemüse steht im Mittelpunkt. Fleisch und Fisch werden nicht zwingend zum Hauptdarsteller, sondern begleiten die pflanzlichen Komponenten. Ein kleiner Perspektivenwechsel, der erstaunlich gut zum Haus passt. Tradition wird respektiert, aber nicht einfach wiederholt.
Auch die Präsentation des Menüs greift die Identität des Hauses auf. Statt einer klassischen Menükarte werden die einzelnen Seiten in ein Buch eingelegt – eine charmante Referenz an Literatur, Wissen und das Zeitalter der Aufklärung, das sich wie ein roter Faden durch Les Lumières zieht.
Und noch etwas wird beim Dinner bewusst anders gemacht. Am Tisch wartet eine Holzbox auf das Smartphone. Statt Bildschirm und Nachrichten soll wieder das Essen im Mittelpunkt stehen.
Pierre Hermé mit Blick auf Versailles
Einen Stock höher wartet einer der schönsten Räume des Hauses. Es ist die Galerie des Lumières mit dem Café Pierre Hermé. Kristalllüster, puderrosa Sitzbänke und hohe Bogenfenster schaffen eine elegante, fast salonartige Atmosphäre. Durch die Fenster fällt der Blick direkt auf die Place d’Armes und das Château.
Natürlich wäre Pierre Hermé nicht Pierre Hermé ohne seine Pâtisserie. Gleich beim Eingang präsentiert der Eichenholz-Counter Macarons und andere kleine Versuchungen. Spätestens beim Café gourmand braucht es keine komplizierte Inszenierung für einen sehr französischen Moment.
Ob Frühaufsteher oder Langschläfer das reichhaltige Frühstücksbuffet lädt dazu ein, den Morgen genussvoll zu beginnen. Der perfekte Auftakt für einen Besuch im Château oder eine Entdeckungstour durch Versailles.
Die Stadt Versailles ist mehr als ein Schloss
Am frühen Morgen gehört die Umgebung für einen kurzen Moment noch den Bewohnern der Stadt. Die Cafés öffnen, auf dem Markt werden die ersten Einkäufe erledigt, und rund um das Château herrscht jene Ruhe, die wenige Stunden später kaum mehr vorstellbar ist.
Wer länger bleibt, kann sich treiben lassen, statt Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Durch den Marché Notre-Dame schlendern, kleine Geschäfte entdecken, in einem Café sitzen, Kunst ansehen oder einfach beobachten, wie eine Stadt lebt. Drei Tage sind dafür ideal.
Versailles eignet sich gleichzeitig als Ausgangspunkt für weitere Entdeckungen in der Île-de-France. Selbst Paris lässt sich von hier aus unkompliziert erreichen.
Versailles muss man nicht neu erfinden. Man muss sich nur die Zeit nehmen, es neu zu entdecken.
Reiselust? Mehr Informationen gibt es unter diesem Link:
Hôtel Les Lumières Versailles
Instagram-Reel: Home & Art - Hôtel Les Lumières Versailles









